Es war Frühling 2012, angehender Sommer. Erst eine Woche zuvor hatte ich damals die Nachricht vom Arzt bekommen: „Tim, wenn du weiter Fußball spielst, braucht du mit 30 ein neues Knie“
Der Traum vom Fußball in einem Gespräch geplatzt – auf der anderen Seite ist gerade die größte Last, die sich über Jahre angestaut hat, abgefallen.
Dann saß ich auf dieser Treppe, in Kirchheim, auf der SGK, ohne weitere Idee, was ich nun außer Fußball machen könnte. Dann kam der Jugendleiter Thorsten Maas zu mir und sagte: „Hey Tim, mach doch Jugendtrainer! Wir suchen noch jemand, der mit Matze Fuzon zusammen die B-Jugend trainiert.“
Erst verdutzt und mit der Frage überfordert schaute ich ihn an: „Matze wer?
Und plötzlich kam dieser Mensch um die Ecke. Lachend, witziger Laufstil und zielstrebig im schnellem Gang auf mich zu. „Servus, ich bin der Matze, hast du Bock mit Trainer zu machen?“.
Sofort spürte ich eine gewisse Energie, eine empathische Art und wohltuendes Gefühl, gepaart mit „Ey, das könnte lustig “ werden. Nach paar Tagen Überlegung hab ich zugesagt. Und damit begann meine Story mit Mathias Fuzon.
Fast zwei Jahre habe ich mit Matze sowohl die U17 als auch dann die U19 der SGK trainieren dürfen. Die Jugend war „am Boden“. Scheint eine anspruchsvolle Aufgabe für Matze und mich zu werden, aber wir gingen es an. Training für Training, Spiel für Spiel. In Abwechslung haben wir immer Bad und Good Coach gespielt; mal ist der eine, mal der andere hinter die Bande verwiesen worden. Mal machte ich die Ansprache, mal Matze. Unvergessen, als er die exakt identischen Pins auf der Taktiktafel nach Frage des Spielers, ob er nicht doch rechts anstatt links spielen könnte, einfach getauscht hatte – kein Sinn; die Menge tobte. Es folgten Legendäre Auswärtsfahrten, Trainingseinheiten, sogar Abende mit den Jungs; innerhalb kürzester Zeit schafften wir aus einer chaotischen Mannschaft und Spieler ein Team zu formen und wurden sogar Kreispokalsieger- und nicht nur das, sondern ich hatte einen viel größeren Sieg eingefahren: Ich hatte einen wichtigen Menschen in meinem Leben kennen gelernt, mit dem ich nun durchs Leben ging.
Nach unserer gemeinsamen Trainerzeit blieb unser Kontakt und Freundschaft bestehen. Es folgten unzählige, weltklasse lustige Abende und Treffen bzw. Gemeinsame Zeit. Ob Flying Donat, Einbruch im Zoo bei Flamingos, Wein&Markt Dance Moves, Chicken Nuggets, Heimatbesuche – alles war dabei. „Tim, ich humple schon wieder wie ein H*******, ich muss heim!“ – sich selbst auf die Schippe nehmen :Level Expert. Sogar der Fachbegriff und Kosename „Scherbe“ entstand. Wir hatten einfach nonstop eine gute Zeit.
Dann irgendwann kam leider die bittere Diagnose. Geschockt nahm ich diese Nachricht auf. Unvergessen als er mir erzählte, dass ihm evtl. der Rollstuhl droht. Doch direkt 10 Sekunden nach dieser Offenbarung schaute er mich an und sagte: „Niemals geh ich den Rollstuhl, ich geb nicht auf!!!“. Ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst, Matze hat einer der heftigsten Diagnosen erhalten, und schafft es, trotzdem direkt kämpferisch und positiv zu sein. Ab diesem Moment hab ich realisiert, dass er nicht nur ein geiler Typ ist, sondern gerade ein Mindset aufbaut, dass seines gleichen sucht – oder auch schon vorhanden war, aber ich es erst da gespürt hatte.
Ab dann folgten wirklich sehr traurige Stories, die er mit seiner Krankheit erleiden musste. Ich mir oftmals innerlich dachte: „Fuck, wie hält er das aus!“. Und trotzdem war nach jeder traurigen Story ein lustiger Spruch dabei, eine positive Einstellung oder Handeln dazu; sofort schaffte er es, diese Negativität im Raum einfach verdunsten zu lassen und ein Orkan von Positivität herbeizuführen.
Oftmals kam ich zu unseren Treffen schlecht gelaunt, mit „meinen Problemen“ und schweren Rucksack. Ich habe das auch noch auf den Tisch gehauen. Bis ich merkte, Tim, straff dich, was hast du für Probleme. Im Gegenteil, Matze schafft es immer, und ich betone „immer“, dir ein gutes und positives Gefühl zu geben. Du gehst freudiger aus den treffen raus, du siehst die Welt wieder anders. Das ist ein Skill und eine Eigenschaft, die ich noch nie persönlich erlebt habe.
Wie kann ein Mensch nur durch seine Art dein eigenes Mindset um 180 Grad drehen? Dir zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben, auf was es ankommt, was Menschlichkeit, Empathie und Positivität bedeutet – einfach faszinierend.
Sich über was Beschweren? Fehlanzeige bei Matze Fuzon! Neuer Schub: „ja, tut weh, aber weiter gehts – ich habe heute es geschafft, wieder 5 Minuten auf dem Laufband zu laufen, bin krass stolz auf mich!“. Es sind oftmals die kleinen Dinge im Leben, die uns zeigen, was glücklich sein bedeutet. Wie sehr es uns hilft, mal kurz inne zugehen, zu reflektieren und die Welt von einer anderen Seite zu betrachten. Ob Matze ein Weltmeister darin ist? Ähm ja, Weltmeister nicht, sondern Vorbild für uns alle! Täglich gibst du uns die Message mit, dass das Leben kostbar und kurz sein kann, aber mit einer guten Einstellung zum Leben und vor allem den Wert der Menschlichkeit, ein echt tolles Leben sein kann.
Höhepunkt für mich in unsere Freundschaft war, als Matze unser Trauredner wurde. Ohne zu zögern und mit Ehre gefüllt, sagte er dieser Aufgabe zu. Matze, wir können bis heute sagen, wir hätten uns nichts Besseres vorstellen können und sind mega dankbar, dass du uns diesen tollen Tag mitbegleitet hast!
Nun besteht diese Freundschaft schon über 17 Jahre. Mit dir habe ich mit den meisten Kontakt in meinem Leben. Wenn ich nachts um 3 anrufe, wärst du da. Wenn es mir nicht gut geht, hörst du zu.
Wenn wir uns sehen, rennt die Zeit. Jede Sekunde unserer Zeit ist eine gute Zeit. Obwohl dein Rucksack überdimensional groß ist, schaffst du es, nicht nur alleine den Berg hochzugehen, sondern eine ganze gesellschafft zusätzlich mit hochzuziehen. Und das auch ohne funktionierende Kreuzbänder, du altes Wrack 😉.
Täglich ziehst du Therapien, Physiotermine und Aufbautraining durch. Du managst deine Familie und Tochter, deinen Job, deine Hobbies und deine Freunde. Ich kann es nicht oft genug sagen: Matze, du bist ein Vorbild, ein Macher, ein unbeschreiblich guter Mensch. Mögest du 148 Jahre leben, für immer auch mein Freund sein, und ich dich in jeder deiner Lebenslagen unterstützen werde.
Give that man an Oscar, and more! „I came for the cake“ – aber in Wirklichkeit ist hier, um uns alle bewusst zu machen, was wirklich zählt im Leben!
In Liebe,
Deine Scherbe!